HV 1200

Der besondere Kreuzweg

 Der besondere Kreuzweg in Saerbeck

Junge Leute für den Heimatverein zu interessieren und gleichzeitig ein Stück Saerbecker Heimatgeschichte zu vermitteln.
Beides ist dem Heimatverein mit  seinem "Kreuzweg der besonderen Art" gelungen. Viele junge Saerbecker folgten Josef Berkemeier und Peter Dütsch zu dieser ungewöhnlichen Exkursion auf Schusters Rappen.
Besucht wurden die Standorte der historischen und noch betriebenen Gaststätten im Saerbecker Ortskern. Und das waren einige.
Deutlich mehr als es die gut 20 Teilnehmer im Vorfeld geahnt haben. Namen wie Hase, Unkel, Hagemann, Möllers (Hilbert),Liesenkötter, Willebrandt, Dyckhoff, Dierksen (Winter), der Dorfkrug, seit 1974 Dahm`s Hoff und ausserhalb des Ortskerns Deitermann (Potthoff), Kloppenburg (Mersmann), Ruhmöller, Stegemann und andere verschafften den Saerbeckern ein dichtes  gastronomisches Angebot. Hinzu kamen noch die 3 Schnapsbrennereien der Familien Dalmöller-Nienhaus (heute Brennereimuseum und Heimathaus), Deitermann und Hase.
Unter der sachkundigen Führung von Josef Berkemeier und Peter Dütsch wurden nicht nur die verschiedenen Stätten der Saerbecker Gastbetriebe aufgesucht, zu jeder wurden auch überlieferte Geschichten und zahlreiche "Dönkes" aus alten Tagen erzählt.
Und natürlich gab es auch das eine oder andere passende Getränk dazu. Auch die "Sol-Eiertradition" der historischen Gastststätte Willebrandt wurde wieder belebt.
Die Teilnehmer erfuhren eine Menge über die wechselvolle Geschichte des Saerbecker Gaststättengewerbes. Um 1900 gab es für die seinerzeit  1570 Einwohner  sagenhafte 15 Schankstuben und Gaststätten! Vor allem der sich stetig entwickelnde Fuhrmannsbetrieb von Ibbenbüren nach Münster sorgte neben der Nachfrage durch die einheimische Bevölkerung für zusätzliche Gäste. Allein um die Saerbecker Kirche herum gab es in Spitzenzeiten gleich 6 Schankstuben, in denen man geselligen Kontakt pflegen konnte. Das Bier dazu  kam aus Münster, Greven und Burgsteinfurt. Weil nicht jeder gleich gut mit dem Gerstensaft und dem Klaren umgehen konnte, wurden zeitweise "Säuferlisten" ausgehängt. Wer darauf namentlich genannt war, dem durften die Wirte bei Strafe keinen Alkohol ausschenken.
1930 verfügte Saerbeck immer noch über 9 Gaststätten. Bei Hagemann, Möllers und Liesenkötter konnte man auch übernachten.
1982 gab es dann im Ortskern mit den Gaststätten Möllers (später "Zur Post"), Else Winter (heute Markt 23) und dem Dorfkrug nur noch 3.
Die Gaststätte Hagemann war 1981 der Dorfkernsanierung zum Opfer gefallen. Hier steht heute das Cafe Liesenkötter.
Viele historische Begebenheiten und Dönkes wussten Peter Dütsch und Josef Berkemeier anschaulich zu jedem Standort erzählen. Manch einer der Teilnehmer konnte aus Erzählungen von Eltern und Grosseltern den einen oder anderen Schwank beisteuern. Und so verging die Zeit im Fluge.
"Ein anschauliches Stück Orts-und Heimatgeschichte, lebendig und anschaulich präsentiert und erzählt", zogen am Ende alle ein positives Fazit. "Und Spass gemacht hat es auch noch."
Beim Abschluss im Heimathaus bestand dann noch ausreichend Gelegenheit, das Erlebte bei Bier und Bratwurst noch einmal Revue passieren zu lassen  und zu vertiefen.

Das Ziel, junge Saerbecker für Heimat- und Ortsgeschichte und die Arbeit des Heimatvereins zu intessieren, wurde voll erfüllt. Der "besondere Kreuzweg"  wird sicher nicht das letzte Mal gegangen worden sein.

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