HV 1200

Schnapsweisheiten und andere Geschichten im Markt 23 Der Münchhausen von Saerbeck

Bericht in der WN vom 16.3.2019

Saerbeck - Was bei Kinofilmen beliebt ist, hat auch beim Heimatverein geklappt: das Spin-Off, das Herausziehen einer bestimmten Rolle oder eines Themas zu einer eigenen Produktion. Von Alfred Riese
Mitreißende Erzählerin: Maria Timmermann liest „Schnapsweisheiten“ des Heimatvereins am Herdfeuer im „Markt 23“. Foto: Alfred Riese

Kneipe voll, Dauerlächeln im Gesicht des Wirts, die Bedienungen flitzen und regelmäßig wird gelacht und applaudiert. Nachdem Josef Berkemeier vom Heimatverein zu Beginn noch vorsichtig von einem „Experiment“ gesprochen hatte, konnte man schon während des „Abends mit Schnapsweisheiten und anderen Geschichten am Kamin“ feststellen: Experiment geglückt.

Was bei Kinofilmen beliebt ist, hat auch beim Heimatverein geklappt: das Spin-Off, das Herausziehen einer bestimmten Rolle oder eines Themas zu einer eigenen Produktion. Bei den „Schnapsweisheiten“ bildete der Band „Herdfeuergeschichten – Saerbecker erinnern sich“, den der Verein im vergangenen Jahr herausgebracht hat, die Grundlage. Für den Themenabend in der Kneipe griffen sich Albert Stakenkötter und Maria Timmermann als Vorleser und Erzähler schwerpunktmäßig die Geschichten heraus, die mit alkoholhaltigen Getränken zu tun hatten.

Saitentasten
Die Gruppe Saitentasten spielte beim Geschichtenabend. Foto: Alfred Riese

„Volles Haus“, stellte Josef Berkemeier zufrieden und ein bisschen erleichtert fest. „Wir haben es wieder ans Laufen bekommen, dass am Herdfeuer erzählt wird“, freute er sich. Tatsächlich glühte das Herdfeuer im „Markt 23“ rot vor sich hin an diesem Abend. Es war aber wegen der vielen Gäste kaum zu sehen.

„Backs Bänd, der Münchhausen von Saerbeck“ war eine der Geschichten, die der Heimatverein aufs Programm setzte. Alfred Maimann hatte sie 1934 erlebt und zu den „Herdfeuergeschichten“ beigesteuert. Eigentlich ist es eine Anekdote über den Ersten Weltkrieg, mit der Backs Bänd den jungen Alfred zum Narren hielt und sich mit der Lügengeschichte den Ruf als örtlicher Münchhausen erwarb: im russischen Winter vom Aussichtsposten auf einem Baum auf das herunter gefallene Gewehr pinkeln und es mit der gefrorenen Stange wieder hoch holen.

Albert
Applaus für Albert Stakenkötter (links). Foto: Alfred Riese

Es sind Details, die bei solchen aufgeschriebenen Erinnerungen ganz normaler Leute an einem solchen Herdfeuerabend in der Kneipe auffallen. Bevor Backs Bänd dem jungen Alfred die Geschichte auftischte, verspeiste er sein Schwarzbrot mit Speck. Schwarzbrot hatten Gäste des Heimatvereins auch auf den Tischen, allerdings mit Käse.

Vorleser und Erzähler Albert Stakenkötter kam mitunter gar nicht so recht zum Zuge, weil die Saerbecker an der Theke oder an den Tischen selbst noch etwas beizutragen hatten aus ihren Erinnerungsschätzen. Ist das wirklich der Benannte auf dem projizierten Bild auf der Leinwand? Stimmt die Jahreszahl? Da kam live und spontan so einiges rüber. Genau dazu hatte Josef Berkemeier auch ausdrücklich eingeladen.'
Man darf gespannt sein, was diesem Heimatverein als nächstes einfällt.

 

 

 

 

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