HV 1200

Heimatpflege einmal anders.
Der Heimatverein Saerbeck lädt seine Mitglieder zu einem Besuch des deutsche Fussballmuseums in Dortmund ein.
Die Tour findet statt am 26. Oktober. Start ist um 12.00. Mit einem Bus geht es nach Dortmund, vor Ort wird eine Führung durchs Museum angeboten, die Rückkehr in Saerbeck ist für 18.00 Uhr geplant. Die Gesamtkosten betragen für Erwachsene 20 €, für Kinder 15 €.
Anmeldungen sind ab sofort online möglich über die Homepage des Heimatvereins Pfeil
oder telefonisch bei Harald Schütz Harald.

Die Besucher erwartet in Dortmund mehr als nur ein Museum. Magische Momente und Originalexponate des Fussballs sowie technisch-interaktive Highlights einschliesslich eines 3-D-Kinos machen deutlich, warum der Fussball als die bedeutendste Nebensache der Welt gilt. 2015 eingeweiht, beherbergt das DFB-Museum einmalige Fundstücke der deutschen Fussballgeschichte wie die von allen Spielern unterschriebene  Originalverpflichtungserklärung der DDR-Elf bei der WM 1974, den aus dem Rasen herausgefrästen Elfmeterpunkt, von dem Andreas Brehme 1990 beim WM-Finale  in Rom den Siegtreffer gegen Argentinien schoss. Auch der originale, ungeputzte Fussballschuh von Marion Götze ist zu sehen, mit dem er 2014 -erneut gegen Argentinien- in der Verlängerung das entscheidende Tor zum 4.WM-Titel schoss. Und natürlich wird auch das Geheimnis um das berühmt-berüchtigte dritte Tor beim WM-Finale 1966 in Wembley gelüftet.

All das und noch viel mehr wird den Teilnehmern unter fachkundiger Führung präsentiert und erläutert. Und am Ende werden auch alle wissen, welcher Spieler es weltweit als einziger geschafft hat, bei zwei Weltmeisterschaften zwei Elfmeter mit zwei verschiedenen Füssen zu verwandeln.

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Der besondere Kreuzweg

 Der besondere Kreuzweg in Saerbeck

Junge Leute für den Heimatverein zu interessieren und gleichzeitig ein Stück Saerbecker Heimatgeschichte zu vermitteln.
Beides ist dem Heimatverein mit  seinem "Kreuzweg der besonderen Art" gelungen. Viele junge Saerbecker folgten Josef Berkemeier und Peter Dütsch zu dieser ungewöhnlichen Exkursion auf Schusters Rappen.
Besucht wurden die Standorte der historischen und noch betriebenen Gaststätten im Saerbecker Ortskern. Und das waren einige.
Deutlich mehr als es die gut 20 Teilnehmer im Vorfeld geahnt haben. Namen wie Hase, Unkel, Hagemann, Möllers (Hilbert),Liesenkötter, Willebrandt, Dyckhoff, Dierksen (Winter), der Dorfkrug, seit 1974 Dahm`s Hoff und ausserhalb des Ortskerns Deitermann (Potthoff), Kloppenburg (Mersmann), Ruhmöller, Stegemann und andere verschafften den Saerbeckern ein dichtes  gastronomisches Angebot. Hinzu kamen noch die 3 Schnapsbrennereien der Familien Dalmöller-Nienhaus (heute Brennereimuseum und Heimathaus), Deitermann und Hase.
Unter der sachkundigen Führung von Josef Berkemeier und Peter Dütsch wurden nicht nur die verschiedenen Stätten der Saerbecker Gastbetriebe aufgesucht, zu jeder wurden auch überlieferte Geschichten und zahlreiche "Dönkes" aus alten Tagen erzählt.
Und natürlich gab es auch das eine oder andere passende Getränk dazu. Auch die "Sol-Eiertradition" der historischen Gastststätte Willebrandt wurde wieder belebt.
Die Teilnehmer erfuhren eine Menge über die wechselvolle Geschichte des Saerbecker Gaststättengewerbes. Um 1900 gab es für die seinerzeit  1570 Einwohner  sagenhafte 15 Schankstuben und Gaststätten! Vor allem der sich stetig entwickelnde Fuhrmannsbetrieb von Ibbenbüren nach Münster sorgte neben der Nachfrage durch die einheimische Bevölkerung für zusätzliche Gäste. Allein um die Saerbecker Kirche herum gab es in Spitzenzeiten gleich 6 Schankstuben, in denen man geselligen Kontakt pflegen konnte. Das Bier dazu  kam aus Münster, Greven und Burgsteinfurt. Weil nicht jeder gleich gut mit dem Gerstensaft und dem Klaren umgehen konnte, wurden zeitweise "Säuferlisten" ausgehängt. Wer darauf namentlich genannt war, dem durften die Wirte bei Strafe keinen Alkohol ausschenken.
1930 verfügte Saerbeck immer noch über 9 Gaststätten. Bei Hagemann, Möllers und Liesenkötter konnte man auch übernachten.
1982 gab es dann im Ortskern mit den Gaststätten Möllers (später "Zur Post"), Else Winter (heute Markt 23) und dem Dorfkrug nur noch 3.
Die Gaststätte Hagemann war 1981 der Dorfkernsanierung zum Opfer gefallen. Hier steht heute das Cafe Liesenkötter.
Viele historische Begebenheiten und Dönkes wussten Peter Dütsch und Josef Berkemeier anschaulich zu jedem Standort erzählen. Manch einer der Teilnehmer konnte aus Erzählungen von Eltern und Grosseltern den einen oder anderen Schwank beisteuern. Und so verging die Zeit im Fluge.
"Ein anschauliches Stück Orts-und Heimatgeschichte, lebendig und anschaulich präsentiert und erzählt", zogen am Ende alle ein positives Fazit. "Und Spass gemacht hat es auch noch."
Beim Abschluss im Heimathaus bestand dann noch ausreichend Gelegenheit, das Erlebte bei Bier und Bratwurst noch einmal Revue passieren zu lassen  und zu vertiefen.

Das Ziel, junge Saerbecker für Heimat- und Ortsgeschichte und die Arbeit des Heimatvereins zu intessieren, wurde voll erfüllt. Der "besondere Kreuzweg"  wird sicher nicht das letzte Mal gegangen worden sein.

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Bericht in der WN vom 10.4.2019

Saerbeck - Schulbücher, die kennen Schüler. Wie sie aber aussahen unter dem Nazi-Regime, erfuhren jetzt 150 Neunt- und Zehntklässler der Maximilian-Kolbe-Gesamtschule (MKG). Josef Berkemeier vom Heimatverein, der die Geschichte des Zweiten Weltkriegs in der Region und besonders im Dorf aufgearbeitet hat, und der Zeitzeuge Alfred Maimann erzählten es ihnen. Von Alfred Riese
Der Zeitzeuge des Weltkrieg-Endes in Saerbeck, Alfred Maimann (links), mit Josef Berkemeier vom Heimatverein vor Schülern der MKG. Foto: Alfred Riese

 

„Totale Manipulation“

Kaplanei 
Auf der Leinwand ist die alte Kaplanei am Kirchplatz zu sehen. Foto: Alfred Riese

Eine Aufgabe aus einem Mathebuch dieser Zeit zitierten sie: Berechnet, was ein Erbkranker den Volkskörper kostet und dass es billiger ist, ihn umzubringen. „Totale Manipulation“, antwortete Berkemeier in der Mensa auf die Schülerfrage, ob das Nazi-Denken auch in der Schule durchgesetzt wurde. „Natürlich mussten wir unsere Lehrer mit „Heil Hitler“ grüßen, berichtete Alfred Maimann von seinen Erinnerungen.

Der Vortrag von Berkemeier und Maimann schlug den großen Bogen vom Ermächtigungsgesetz, dass das Regime der Nationalsozialisten und Adolf Hitlers im Deutschen Reich an die Macht brachte, über Gräuel und individuelles Leid des Kriegs bis zu dessen Ende – immer wieder mit Bezug zu Saerbeck, zu Saerbecker Ereignissen und Orten. Zum Beispiel zum heutigen Sparparadies, wo 1942 eine Radarstation stand. Oder zu der Arrestzelle am Ort des heutigen Pfarrheims, wo 1945 ein gefangener französischer Pilot erschossen wurde. „Ich habe die Schüsse gehört“, holte Alfred Maimann mit seinen Zeitzeugen-Schilderungen das Geschehen aus der Vergangenheit – ein Erzähler für viele.

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Vor der Infowand des Heimatvereins zum Themenabend: (v.l.) Martin Wenners, Matthias Eising, Norbert Winkelmann, Dr. Dirk Ziesing (Referent), Thomas Witt und Josef Berkemeier. Foto: Heimatverein

In Frauenkleidern vor dem Militärdienst gedrückt
Bericht in der WN vom 19.3.2019

Saerbeck - Über große Resonanz freute sich der Vorstand des Heimatvereins. Mehr als 60 Teilnehmer lauschten den Ausführungen des Historikers Dr. Dirk Ziesing zum Thema „Saerbeck und Waterloo“.

Vor der Infowand des Heimatvereins zum Themenabend: (v.l.) Martin Wenners, Matthias Eising, Norbert Winkelmann, Dr. Dirk Ziesing (Referent), Thomas Witt und Josef Berkemeier.

Der Referent aus Bochum brachte viele Informationen von Saerbecker Bauernsöhnen mit. Lebenslinien von jungen Männern hatte er in Archiven aufgespürt, die als Soldaten an den napoleonischen Kriegen teilnehmen mussten.

Schmunzelnd berichtete er über einen Vorfall von vier Saerbeckern, die sich vor dem Militärdienst zu drücken versuchten, indem sie sich in der Heide versteckt hielten. Lediglich sonntags kamen sie ins Dorf, damit sie die Heiligen Messe besuchen konnten. Um nicht erkannt zu werden, hatten die Vier sich als Frauen verkleidet, schreibt der Heimatverein. Doch die Täuschung währte nicht lange. Die Militärpolizei deckte sie auf. In Gewahrsam genommen, mussten sie zur Strafe bis zu ihrer Einkleidung als Soldaten in einer Kaserne in Münster die Frauenkleider anbehalten.

Anschließend ging Dr. Ziesing auf seine Forschungsergebnisse zu Hermann Anton Vogelpohl ein. Die Zuhörer staunten, mit welcher Detailtiefe er es vermochte, den militärischen Werdegang des Ritters der Ehrenlegion nachzuzeichnen. In sechs Jahren legte Vogelpohl als französischer Soldat über 10 000 Kilometer reitend oder zu Fuß zurück. 1809 kämpfte er in Österreich, ein Jahr später gegen die spanische Guerilla an der Grenze zu Portugal, 1812 marschierte er gegen Russland und 1813 gegen die Preußen in Leipzig. Im Laufe dieser Kämpfe wurde Luis von Leichtenschneider, ein hochrangiger Offizier, dessen Ordonanz Vogelpohl war, von fünf Kosaken überwältigt und gefangen genommen. Als Vogelpohl das bemerkte, ritt er beherzt auf sie zu, konnte vier von ihnen niederstrecken und den fünften Kosaken gefangen nehmen. Diese Tat wurde durch einen Orden und die Erhebung in den Adelsstand belohnt.

Dr. Ziesing schloss seine Ausführungen nach viel Applaus mit dem Hinweis, dass erst die Unterstützung des Heimatvereins es möglich gemacht habe, die wahre Geschichte des Ritter von Vogelpohl dem Nebel der Vergangenheit zu entreißen.

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Schnapsweisheiten und andere Geschichten im Markt 23 Der Münchhausen von Saerbeck

Bericht in der WN vom 16.3.2019

Saerbeck - Was bei Kinofilmen beliebt ist, hat auch beim Heimatverein geklappt: das Spin-Off, das Herausziehen einer bestimmten Rolle oder eines Themas zu einer eigenen Produktion. Von Alfred Riese
Mitreißende Erzählerin: Maria Timmermann liest „Schnapsweisheiten“ des Heimatvereins am Herdfeuer im „Markt 23“. Foto: Alfred Riese

Kneipe voll, Dauerlächeln im Gesicht des Wirts, die Bedienungen flitzen und regelmäßig wird gelacht und applaudiert. Nachdem Josef Berkemeier vom Heimatverein zu Beginn noch vorsichtig von einem „Experiment“ gesprochen hatte, konnte man schon während des „Abends mit Schnapsweisheiten und anderen Geschichten am Kamin“ feststellen: Experiment geglückt.

Was bei Kinofilmen beliebt ist, hat auch beim Heimatverein geklappt: das Spin-Off, das Herausziehen einer bestimmten Rolle oder eines Themas zu einer eigenen Produktion. Bei den „Schnapsweisheiten“ bildete der Band „Herdfeuergeschichten – Saerbecker erinnern sich“, den der Verein im vergangenen Jahr herausgebracht hat, die Grundlage. Für den Themenabend in der Kneipe griffen sich Albert Stakenkötter und Maria Timmermann als Vorleser und Erzähler schwerpunktmäßig die Geschichten heraus, die mit alkoholhaltigen Getränken zu tun hatten.

Saitentasten
Die Gruppe Saitentasten spielte beim Geschichtenabend. Foto: Alfred Riese

„Volles Haus“, stellte Josef Berkemeier zufrieden und ein bisschen erleichtert fest. „Wir haben es wieder ans Laufen bekommen, dass am Herdfeuer erzählt wird“, freute er sich. Tatsächlich glühte das Herdfeuer im „Markt 23“ rot vor sich hin an diesem Abend. Es war aber wegen der vielen Gäste kaum zu sehen.

„Backs Bänd, der Münchhausen von Saerbeck“ war eine der Geschichten, die der Heimatverein aufs Programm setzte. Alfred Maimann hatte sie 1934 erlebt und zu den „Herdfeuergeschichten“ beigesteuert. Eigentlich ist es eine Anekdote über den Ersten Weltkrieg, mit der Backs Bänd den jungen Alfred zum Narren hielt und sich mit der Lügengeschichte den Ruf als örtlicher Münchhausen erwarb: im russischen Winter vom Aussichtsposten auf einem Baum auf das herunter gefallene Gewehr pinkeln und es mit der gefrorenen Stange wieder hoch holen.

Albert
Applaus für Albert Stakenkötter (links). Foto: Alfred Riese

Es sind Details, die bei solchen aufgeschriebenen Erinnerungen ganz normaler Leute an einem solchen Herdfeuerabend in der Kneipe auffallen. Bevor Backs Bänd dem jungen Alfred die Geschichte auftischte, verspeiste er sein Schwarzbrot mit Speck. Schwarzbrot hatten Gäste des Heimatvereins auch auf den Tischen, allerdings mit Käse.

Vorleser und Erzähler Albert Stakenkötter kam mitunter gar nicht so recht zum Zuge, weil die Saerbecker an der Theke oder an den Tischen selbst noch etwas beizutragen hatten aus ihren Erinnerungsschätzen. Ist das wirklich der Benannte auf dem projizierten Bild auf der Leinwand? Stimmt die Jahreszahl? Da kam live und spontan so einiges rüber. Genau dazu hatte Josef Berkemeier auch ausdrücklich eingeladen.'
Man darf gespannt sein, was diesem Heimatverein als nächstes einfällt.

 

 

 

 

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