HV 1200

Brennereimuseumsführer bilden sich weiter

Bericht in der WN vom 26.4.2019

Neue Kenntnisse an Besuchergruppen weitergeben

Saerbeck -Die jährliche Fortbildung führte die Mannschaft der Museumsführer der alten Dalmöllerschen Kornbrennerei nach Alverskirchen (Kreis Warendorf) auf den Bauernhof Gerbermann.

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Bildeten sich in Alverskirchen fort: Die Saerbecker Brennereimuseumsführer mit Andre Gerbermann, Inhaber der gleichnamigen Brennerei (Mitte, in der Tür). Foto: Heimatverein

 

Ackerbau und Viehzucht betreibt die Familie Gerbermann hier schon seit dem 15. Jahrhundert. Die zugehörige landwirtschaftliche Kornbrennerei wurde vor 149 Jahren gegründet.

Die Heimatfreunde aus Saerbeck durften dem Inhaber und Destillateur beim Schnapsbrennen über die Schulter schauen. Dabei präsentierte sich der Arbeitsplatz von André Gerbermann im neuen Glanz. In den letzten beiden Jahren hatten Umbauarbeiten eine Destille entstehen lassen, die eine moderne Produktionsstätte mit traditioneller Fuselstörkerie (plattdeutsch: Kornbrennerei) verbindet.
Bei dem Rundgang durch die Brennerei wurden alle acht Stationen der Alkoholherstellung intensiv beleuchtet. Keine Fachfrage blieb unbeantwortet. Danach galt es noch, Likören und Bränden zu verkosten. Die Museumsführer des Saerbecker Heimatvereins freuen schon auf die nächsten Rundgänge durch das eigene Brennereimuseum, um ihre neu erworbenen Kenntnisse an Besuchergruppen weitergeben zu können.

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Zeitzeugengespräch: Schulzeit im Zweiten Weltkrieg

Bericht in der WN vom 10.4.2019

Saerbeck - Schulbücher, die kennen Schüler. Wie sie aber aussahen unter dem Nazi-Regime, erfuhren jetzt 150 Neunt- und Zehntklässler der Maximilian-Kolbe-Gesamtschule (MKG). Josef Berkemeier vom Heimatverein, der die Geschichte des Zweiten Weltkriegs in der Region und besonders im Dorf aufgearbeitet hat, und der Zeitzeuge Alfred Maimann erzählten es ihnen. Von Alfred Riese

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Der Zeitzeuge des Weltkrieg-Endes in Saerbeck, Alfred Maimann (links), mit Josef Berkemeier vom Heimatverein vor Schülern der MKG. Foto: Alfred Riese

 

„Totale Manipulation“

Kaplanei 
Auf der Leinwand ist die alte Kaplanei am Kirchplatz zu sehen. Foto: Alfred Riese

Eine Aufgabe aus einem Mathebuch dieser Zeit zitierten sie: Berechnet, was ein Erbkranker den Volkskörper kostet und dass es billiger ist, ihn umzubringen. „Totale Manipulation“, antwortete Berkemeier in der Mensa auf die Schülerfrage, ob das Nazi-Denken auch in der Schule durchgesetzt wurde. „Natürlich mussten wir unsere Lehrer mit „Heil Hitler“ grüßen, berichtete Alfred Maimann von seinen Erinnerungen.

Der Vortrag von Berkemeier und Maimann schlug den großen Bogen vom Ermächtigungsgesetz, dass das Regime der Nationalsozialisten und Adolf Hitlers im Deutschen Reich an die Macht brachte, über Gräuel und individuelles Leid des Kriegs bis zu dessen Ende – immer wieder mit Bezug zu Saerbeck, zu Saerbecker Ereignissen und Orten. Zum Beispiel zum heutigen Sparparadies, wo 1942 eine Radarstation stand. Oder zu der Arrestzelle am Ort des heutigen Pfarrheims, wo 1945 ein gefangener französischer Pilot erschossen wurde. „Ich habe die Schüsse gehört“, holte Alfred Maimann mit seinen Zeitzeugen-Schilderungen das Geschehen aus der Vergangenheit – ein Erzähler für viele.

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Vortragsabend zum Thema „Saerbeck und Waterloo“

Vor der Infowand des Heimatvereins zum Themenabend: (v.l.) Martin Wenners, Matthias Eising, Norbert Winkelmann, Dr. Dirk Ziesing (Referent), Thomas Witt und Josef Berkemeier. Foto: Heimatverein


In Frauenkleidern vor dem Militärdienst gedrückt

Bericht in der WN vom 19.3.2019

Saerbeck - Über große Resonanz freute sich der Vorstand des Heimatvereins. Mehr als 60 Teilnehmer lauschten den Ausführungen des Historikers Dr. Dirk Ziesing zum Thema „Saerbeck und Waterloo“.

Votrag Vogelpohl
Vor der Infowand des Heimatvereins zum Themenabend: (v.l.) Martin Wenners, Matthias Eising, Norbert Winkelmann, Dr. Dirk Ziesing (Referent), Thomas Witt und Josef Berkemeier. Foto: Heimatverein

Der Referent aus Bochum brachte viele Informationen von Saerbecker Bauernsöhnen mit. Lebenslinien von jungen Männern hatte er in Archiven aufgespürt, die als Soldaten an den napoleonischen Kriegen teilnehmen mussten.

Schmunzelnd berichtete er über einen Vorfall von vier Saerbeckern, die sich vor dem Militärdienst zu drücken versuchten, indem sie sich in der Heide versteckt hielten. Lediglich sonntags kamen sie ins Dorf, damit sie die Heiligen Messe besuchen konnten. Um nicht erkannt zu werden, hatten die Vier sich als Frauen verkleidet, schreibt der Heimatverein. Doch die Täuschung währte nicht lange. Die Militärpolizei deckte sie auf. In Gewahrsam genommen, mussten sie zur Strafe bis zu ihrer Einkleidung als Soldaten in einer Kaserne in Münster die Frauenkleider anbehalten.

Anschließend ging Dr. Ziesing auf seine Forschungsergebnisse zu Hermann Anton Vogelpohl ein. Die Zuhörer staunten, mit welcher Detailtiefe er es vermochte, den militärischen Werdegang des Ritters der Ehrenlegion nachzuzeichnen. In sechs Jahren legte Vogelpohl als französischer Soldat über 10 000 Kilometer reitend oder zu Fuß zurück. 1809 kämpfte er in Österreich, ein Jahr später gegen die spanische Guerilla an der Grenze zu Portugal, 1812 marschierte er gegen Russland und 1813 gegen die Preußen in Leipzig. Im Laufe dieser Kämpfe wurde Luis von Leichtenschneider, ein hochrangiger Offizier, dessen Ordonanz Vogelpohl war, von fünf Kosaken überwältigt und gefangen genommen. Als Vogelpohl das bemerkte, ritt er beherzt auf sie zu, konnte vier von ihnen niederstrecken und den fünften Kosaken gefangen nehmen. Diese Tat wurde durch einen Orden und die Erhebung in den Adelsstand belohnt.

Dr. Ziesing schloss seine Ausführungen nach viel Applaus mit dem Hinweis, dass erst die Unterstützung des Heimatvereins es möglich gemacht habe, die wahre Geschichte des Ritter von Vogelpohl dem Nebel der Vergangenheit zu entreißen.

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Schnapsweisheiten


Schnapsweisheiten und andere Geschichten im Markt 23 Der Münchhausen von Saerbeck

Bericht in der WN vom 16.3.2019

Saerbeck - Was bei Kinofilmen beliebt ist, hat auch beim Heimatverein geklappt: das Spin-Off, das Herausziehen einer bestimmten Rolle oder eines Themas zu einer eigenen Produktion. Von Alfred Riese

 
Schnapsweisheiten
Mitreißende Erzählerin: Maria Timmermann liest „Schnapsweisheiten“ des Heimatvereins am Herdfeuer im „Markt 23“. Foto: Alfred Riese

Kneipe voll, Dauerlächeln im Gesicht des Wirts, die Bedienungen flitzen und regelmäßig wird gelacht und applaudiert. Nachdem Josef Berkemeier vom Heimatverein zu Beginn noch vorsichtig von einem „Experiment“ gesprochen hatte, konnte man schon während des „Abends mit Schnapsweisheiten und anderen Geschichten am Kamin“ feststellen: Experiment geglückt.

Was bei Kinofilmen beliebt ist, hat auch beim Heimatverein geklappt: das Spin-Off, das Herausziehen einer bestimmten Rolle oder eines Themas zu einer eigenen Produktion. Bei den „Schnapsweisheiten“ bildete der Band „Herdfeuergeschichten – Saerbecker erinnern sich“, den der Verein im vergangenen Jahr herausgebracht hat, die Grundlage. Für den Themenabend in der Kneipe griffen sich Albert Stakenkötter und Maria Timmermann als Vorleser und Erzähler schwerpunktmäßig die Geschichten heraus, die mit alkoholhaltigen Getränken zu tun hatten.

Saitentasten
Die Gruppe Saitentasten spielte beim Geschichtenabend. Foto: Alfred Riese

„Volles Haus“, stellte Josef Berkemeier zufrieden und ein bisschen erleichtert fest. „Wir haben es wieder ans Laufen bekommen, dass am Herdfeuer erzählt wird“, freute er sich. Tatsächlich glühte das Herdfeuer im „Markt 23“ rot vor sich hin an diesem Abend. Es war aber wegen der vielen Gäste kaum zu sehen.

„Backs Bänd, der Münchhausen von Saerbeck“ war eine der Geschichten, die der Heimatverein aufs Programm setzte. Alfred Maimann hatte sie 1934 erlebt und zu den „Herdfeuergeschichten“ beigesteuert. Eigentlich ist es eine Anekdote über den Ersten Weltkrieg, mit der Backs Bänd den jungen Alfred zum Narren hielt und sich mit der Lügengeschichte den Ruf als örtlicher Münchhausen erwarb: im russischen Winter vom Aussichtsposten auf einem Baum auf das herunter gefallene Gewehr pinkeln und es mit der gefrorenen Stange wieder hoch holen.

Albert
Applaus für Albert Stakenkötter (links). Foto: Alfred Riese

Es sind Details, die bei solchen aufgeschriebenen Erinnerungen ganz normaler Leute an einem solchen Herdfeuerabend in der Kneipe auffallen. Bevor Backs Bänd dem jungen Alfred die Geschichte auftischte, verspeiste er sein Schwarzbrot mit Speck. Schwarzbrot hatten Gäste des Heimatvereins auch auf den Tischen, allerdings mit Käse.

Vorleser und Erzähler Albert Stakenkötter kam mitunter gar nicht so recht zum Zuge, weil die Saerbecker an der Theke oder an den Tischen selbst noch etwas beizutragen hatten aus ihren Erinnerungsschätzen. Ist das wirklich der Benannte auf dem projizierten Bild auf der Leinwand? Stimmt die Jahreszahl? Da kam live und spontan so einiges rüber. Genau dazu hatte Josef Berkemeier auch ausdrücklich eingeladen.'
Man darf gespannt sein, was diesem Heimatverein als nächstes einfällt.

 

 

 

 

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Die Grevener Straße im Fokus

Die Grevener Straße im Fokus
Klöncafé des Heimatvereins begeistert über 100 Besucher
Bericht in der WN vom 19.2.2019
Saerbeck - Man wähle eine alte Dorfstraße aus, rücke sie mit historischen und aktuellen Bildern in den Fokus und lasse Menschen aller Generationen ihre Erinnerungen, Geschichten und Anekdoten berichten. Dazu ein gemütliches Ambiente, Kaffee und selbst gebackenen Kuchen – und fertig ist das Klöncafé.

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