HV 2020

Projekte aktuell

Alle Berichte unserer aktuellen Projekte in cronologischer Reihenfolge.


 

Alles begann mit der Plaggenwirtschaft

Begonnen wurde mit der Plaggenwirtschaft, auch als Eschkultur bezeichnet, ungefähr ab dem Jahr 1000 n. Chr.. Zuvor war auf den sandigen Böden Nordwestdeutschlands die Brandrodung mit regelmäßig wechselnden Siedlungsplätzen entlang von Flussläufen üblich. Der Schwerpunkt der damaligen Bauern lag auf der Viehzucht.

01 Bild1Klimaschwankungen in Deutschland von JoBe HeimatvereinDer Hauptgrund für die Änderung der Bewirtschaftungsform ist auf das Wetter zurückzuführen. Nach dem Zeitalter der Völkerwanderungen begann um ca. 800 n. Chr. das Klimaoptimum des Hochmittelalters. Dies führte zu einem Anstieg der Bevölkerung in Mitteleuropa. Damals lag die Temperatur ca. 2 Grad über die Durchschnittstemperatur in Westeuropa.

Mit den besseren klimatischen Bedingungen wuchs die Einwohnerzahl in Deutschland spürbar. Die relative Warmzeit begann um 800 n Chr. und endete um 1300 n Chr. Am Ende dieses Klimaoptimums hatte sich die Einwohnerzahl verdreifacht. (Anstieg von 4 Mio. auf 12 Mio. Menschen)

Dieser Anstieg machte nun auch die Bewirtschaftung der für den Ackerbau eher ungeeigneten Sandböden der norddeutschen Geest und des Münsterlandes notwendig. Zum einen brauchten die Menschen neuen Siedlungsraum, zum anderen mussten diese Menschen auch ernährt werden.

Mit der Einführung des Lehenssystems durch Karl Martell (* 688; † 741, Merowingischer Hausmeier und Begründer der Karolinger-Dynastie) wurden die Bauern unfrei und einem Lehnsherren fronpflichtig. Nach den Sachsenkriegen wurde das Lehnsystem und der christliche Glaube durch den Sieger, Karl den Großen (768 – 814 n. Chr.), auch in unserer Region eingeführt. Dies hatte zur Folge, dass die zuvor freien sächsischen Bauern ein erbliches Nutzungsrecht an „Ihrem“ Hof erhielten und nun Abgaben an den Lehnsherrn und die Kirche (Kirchen-Zehnt) sowie Fron- und Wehrdienste leisten mussten.

Um die Erträge auf den „schlechten“ Böden zu sichern und zu verbessern, begannen die Bauern ab dem 10. Jahrhundert ausgewählte Saatfelder in Gemeinschaftsarbeit mehrerer Familien mit sogenannten Plaggen zu düngen. So entwickelten sich die ersten Esch-Flächen.

Quelle: Frank Witte

 

 

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Heide braucht als Kulturlandschaft Pflege

Bericht vom Aktionsnachmittag von 2019

07 Bild6 Heidefest 2019Wenn der historische Kiepenkerl mit rotem Halstuch und der Kornflasche in der Hand mitten in der Bauerschaft durchs Gelände läuft, muss das einen Grund haben. Der Mann im Kostüm, der frühere fliegende Händler, versorgte am Samstag im Landschaftsschutzgebiet Bertlings Haar rund 40 Mitglieder des Heimatvereins und der Landjugend mit einem Schluck zur Stärkung. Sie entkusselten anderthalb Stunden lang die rund vier Hektar, die das letzte größere Heidegebiet Saerbecks darstellen – Heidefest nannten sie es.

Das kleine Fest kam nachher, davor stand die Arbeit auf dem Plan. Einen Hänger voll kleiner Eichen, Birken, Kiefern und Brombeergestrüpp holten die Ehrenamtler aus der Fläche. „Wenn wir nichts täten, stünden hier bald wieder Bäume und die Heide wäre weg“, erklärte Peter Schwartze von der Biologischen Station Kreis Steinfurt die Aktion.

Als „Pflegebiotop“ beschrieb Peter Schwartze die Heide in Bertlings Haar. Entstanden ist sie in früheren Jahrhunderten durch Abplaggen, sozusagen dem Ernten der Heidepflanzen zusammen mit der obersten Humusschicht als Strohersatz und Brennmaterial, und als Weide für Schafe und auch Bienen. Vor 200 Jahren boten im Wesentlichen 4000 Hektar Heide, zwei Drittel der Gemeindefläche von Saerbeck, die Lebensgrundlage für 500 bis 1000 Einwohner, erläuterte Georg Berkemeier, Heimatvereinsmitglied und hauptberuflich Förster. Richtig ergiebig war das ohne Kunstdünger nicht, was den Begriff des „bettelarmen Heidebauern“ prägte.

Wie seinerzeit erledigten die Leute von Landjugend und Heimatverein das so genannte Entkusseln per Hand. Kusseln nennt man die jungen Gehölze, die aus dem Boden geholt werden, bevor sie der Heide durch Schattenwurf schaden können. Zum Einsatz kamen Stecheisen, Spaten, als Hightech-Gerät ein orangener Extraktigator mit Greifklemme und Hebel-Rundblech und schiere Muskelkraft. Zuvor hatte schon der Bauhof der Gemeinde Saerbeck einen Teil der Fläche mit Maschinen bearbeitet.

Während der Arbeiten entdeckte Peter Schwartze zwischen der Besenheide einige Pflanzen, die ihm einen Eintrag in das Landeskataster der floristischen Kartierung NRW Wert sind. Die im Boden festgekrallte Sparrige Binse zum Beispiel sei „etwas ganz Besonderes“ wie auch der Englische Ginster mit seinen Dornen. „So großflächig vertreten, ich bin begeistert“, bewertete Schwartze seine Funde, „hier ist das Samenpotenzial vergangener Jahrhunderte vorhanden – das hat die Qualität eines Naturschutzgebiets“.

Diese und etliche andere, typische Pflanzen- und Tierarten der Heide sind der Grund für die Knochenarbeit des Entkusselns oder den „Kampf gegen die natürliche Entwicklung zum Wald“, wie Schwartze sagte. Der Biologischen Station geht es beim Schutz der menschengemachten Heidelandschaft um Erhalt und Förderung „der Artenvielfalt und damit auch der genetischen Vielfalt, die den Menschen auf Dauer das Leben sichert“. Zum Beispiel durch die so genannte Ökosystem-Dienstleistung des Bestäubens durch Heide-Insekten.

Dem Heimatverein, der Landjugend und der gesamten Bürgerschaft in Saerbeck bescheinigte Peter Schwartze großes Engagement bei der Heimatpflege im Wortsinn, und das in der Heide nicht zum ersten Mal.

Quelle: Alfred Riese

07 Bild1 2005 Abschälen mit dem Frontlader Foto Heimatverein07 Bild3 Heidefest Alfred Riese07 Bild2 Heidefest 2019 Alfred Riese07 Bild4 Heidefest Alfred Riese07 Bild5 Heidefest 15 Alfred Riese

 

 

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Neues Licht auf alte Werke

Neusegnung des Hofkreuzes bei Familie Mersmann

Neusegnung des Hofkreuzes bei Familie Mersmann
Eigener Bericht

Manches kommt ganz unverhofft: Eigentlich sollte es nur ein Foto sein – daraus geworden ist eine Neusegnung des Hofkreuzes bei Familie Mersmann am Lengericher Damm.
Am Anfang stand vor einigen Wochen die Anfrage des Heimatvereins an die Familie Mersmann, ob das Hofkreuz der Familie in die Liste der Bildstöcke und Wegekreuze aufgenommen werden sollte, die der Heimatverein seit über 60 Jahren führt.
„Ja sicher“, stimmte Angela Mersmann gerne zu, für ein schönes Foto müsse das Hofkreuz aber zuvor gründlich restauriert werden. Ein Fall für Paul Wennemann, der schon vielen Bildstöcken und Wegekreuzen in Saerbeck zu einem neuen Anstrich verholfen hat. Er nahm den Auftrag an und schon wenige Tage später stand der Korpus des Bildstocks in Wennemanns Werkstatt und wurde runderneuert sowie bemalt. „Entstanden ist ein wahres Kunstwerk“, so das lobende Urteil der Familie und des Heimatvereins.
Vor Ort am Lengericher Damm wurden das Kreuz aus Holz und die Tafel im Sockel neu gestrichen.
Da das Wegekreuz so gründlich renoviert worden war, wünschte sich Familie Mersmann, den Bildstock erneut segnen zu lassen. Pfarrer Ramesh Chopparapu sagte direkt zu und bekam Unterstützung von Pater Gottfried Meier, der schon die erste Segnung vorgenommen hatte.
Eine kleine Gruppe von Gästen durften bei der Segensandacht am vergangenen Samstag zugegen sein. „Das Kreuz ist ein Symbol des Lebens“, sagte Pfarrer Ramesh in seiner Predigt. Josef Berkemeier vom Heimatverein berichtete anschließend aus der wechselvollen Geschichte des Hofkreuzes, die er mit Unterstützung des Heimatvereins Ostbevern sowie Familie Prenger Berninghoff nachzeichnen konnte.

Einsegnung2Nach aktueller Recherche ist der Korpus 100 bis 150 Jahre alt und stand ursprünglich in der Ostbeverner Bauerschaft Überwasser am Hof Große Westhues. Die Jesusfigur aus Metall hat mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Blitzschlag um 1910 unbeschadet überstanden und wurde nach dem Ersten Weltkries wieder aufgebaut.
1975 erwarb die Emsdettener Familie Prenger Berninghoff das Anwesen und somit auch das Wegekreuz. Um in der neuen Heimat Ostbevern Wurzeln zu schlagen, stellte die Familie an der Hofeinfahrt 1980 ein neues Hofkreuz auf.
Das alte, bereits morsche Wegekreuz wurde abgebrochen. Da der Korpus über die vielen Jahrzehnte Wind und Wetter gut überstanden hatte, wurde er Familie Große Westhues zurückgegeben, die aber keinen geeigneten Standort dafür fand. Über verwandtschaftliche Beziehungen kam der Korpus 1992 nach Saerbeck, wo er seither am Lengericher Damm auf dem Hof Mersmann als Hofkreuz steht und nun im neuen Glanz erstrahlt.
Der Dank für die Restaurierung ging an den Heimatverein und besonders an den Restaurator Paul Wennemann, der den Anwesenden gerne von den aufwendigen Arbeiten erzählte. Das ihm zugedachte Honorar geht als Spende an die Projekte von Pfarrer Ramesh. „Jetzt sehen wir den Bildstock mit ganz anderen Augen“, waren sich alle einig.
Für alle, die sich für die rund 40 Bildstöcke und Wegekreuze in Saerbeck interessieren, hat der Heimatverein auf seiner Internetseite eine Auflistung mit historischen und aktuellen Fotos sowie Beschreibungen hinterlegt. Natürlich wird auch das Hofkreuz Mersmann hier aufgenomm.
Foto Josef Berkemeier

weitere Informationen zu den Bildstöcken in Saerbeck finden Sie hier Pfeil

 


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Kreuz im Heckebaum

Elbergerds Kreuz 1Im bzw. am (alten) Heckebaum, einem Weg, der (ortsauswärts) von  der Ibbenbürener Straße, hinter Hausnummer 13, nach rechts wegführt, steht - nur rd. 5 Meter hinter dem hölzernen Schlagbaum - am rechten Wegesrand, in einer Gartenhecke, seit etwa 220 Jahren ein schon vor langer Zeit bis zum Querbalken versunkenes Kreuz, auch „Elbergerds Kreuz“ genannt.Bei dem ziemlich glatt gearbeiteten Wegekreuz aus Ibbenbürener Sandstein, ohne Korpus und ohne Inschrift, scheint entweder der Fußbalken weitgehend zu fehlen oder aber es liegt bereits lange Jahre verkehrt herum im Boden. Auf letzteres könnten auf einer Seite zwei eingeritzte Linien hindeuten. Das Kreuz wurde später - ohne die Ausrichtung zu verändern - mit seinem Querbalken um rd. 6 cm hochgeholt, auf ein neues Fundament aufgesetzt und von hinten gesichert. Heute steht es bis etwa 74 cm hoch über der Oberkante des Fundaments. Es hat eine Querbalken-Spannweite von rd. 81 cm, eine Tiefe von 21 cm sowie eine - nach oben leicht abnehmende - Balkenbreite von bis zu 30 cm.

Das Wegekreuz soll 1801 zum Andenken an einen jung verstorbenen Sohn der Familie Elbergerd errichtet worden sein. Zu dieser Jahreszahl passt jedenfalls eine Eintragung im Saerbecker Totenregister von 1801 „Elbergerd, Josef - 6 Jahre alt“.

Der Sage nach ereignete sich seinerzeit folgendes: Die Dorfkinder bliesen gerne auf einer im Mai/Juni jeweils selbst hergestellten Flöte aus Weiden- oder Eschenholz,  „Happiepe“ oder „Sappiepe“ genannt. Diese fertigten sie, indem ein kräftiger, etwa 15 cm langer Ast solange mit dem Messergriff geklopft wurde, bis sich der Kern aus der Rinde ziehen ließ. Der gespaltene Pflock wurde in das - zum Blasen an einem Ende zusammen zu drückende - Bast-Mundstück eingesetzt. Ein Junge wollte besonders laut blasen und holte dazu ganz tief Luft. Dabei rutschte ihm die Flöte in den Hals, so dass er - ehe noch Hilfe kam - daran erstickte.

Das Kreuz soll an diesen tragischen Unglücksfall erinnern und auch zur Mahnung für alle Kinder dienen.

Elbergerds Kreuz 2  Elbergerds Kreuz 3 Kreuz im Heckebaum Standort

 

 

 

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Voskorts Kreuz und Lazarus

Voskorts Kreuz 1Der Rochus-Bildstock wurde 1749 von den Eheleuten Arning (bis 1855 Eigentümerfamilie des Voskortschen Hofes), am Südhang des Nötle-Berges aufgestellt, und zwar am Abzweig ihrer Hofzufahrt vom alten Kirchweg. Mit der dazu parallelen Errichtung eines hölzernen Kreuzes und eines Opferstocks wurde eine Andachtsgruppe realisiert. Die Familie erhoffte sich damit wohl Schutz vor Tollwut, Pest und Cholera („Geschwüren“).

1923 ließ die spätere Eigentümerfamilie Voskort das inzwischen morsche Holzkreuz samt hölzernem Korpus durch ein vom Ibbenbürener Steinmetz Mühlenhoff aus Sandstein gefertigtes Steinkreuz, mit ebenfalls steinernem Korpus, ersetzen. Nachdem die alte Hofzufahrt von der Westladbergener Straße im Zuge der Flurbereinigung aufgehoben wurde, befindet sich die Andachtsgruppe seit 1976 rechts von der Hofeinfahrt.

Der Bildstock steht auf einem kleinen Rechtecksockel mit der Inschrift „GEBET DEN ARMEN AUS FRÖHLICHEN HERZEN SO WIRD GOT DEINICHT VERGESSEN: Anno 1749“. Darüber befindet sich ein Relief mit der Darstellung des Hl. Rochus in Pilgertracht mit Hut und Stab und einer Pestwunde am Oberschenkel. Ein Hund steht an seiner Seite. Dieser Hund dürfte die Ursache dafür gewesen sein, dass die Saerbecker den Rochus lange Jahre nicht als solchen erkannten und mit dem armen Lazarus (auf Bildern meistens auch mit Geschwür leckendem Hund dargestellt) verwechselten. Daher der sich bis heute für den Bildstock haltende Name „(Alter) Lazarus“.

Der in der Mitte der Andachtsgruppe stehende Opferstock aus Sandstein enthielt früher oft Spenden Genesener oder wundersam Geheilter. Für das Geld las der Pastor dann Messen.

Um die Andachtsgruppe, insbesondere um den alten hölzernen „Herrgott“ ranken sich einige seltsame Geschichten: 1813, als im Zuge der Befreiungskriege gegen Napoleon eine Horde Kosaken durch Westladbergen preschte, soll einer von ihnen mit seinem Säbel einen Arm des hölzernen Korpus abgeschlagen und auch den Mittelbalken beschädigt haben. Kurz darauf sei dieser Kosake, so erzählt man sich bis heute, vom Pferd gefallen und habe sich dabei den Arm an eben jener Stelle gebrochen, wo er den Korpus getroffen hatte.

Auch der Verbleib des alten Kreuzes erscheint mysteriös. Alfred Voskort weiß noch, dass seine Großeltern - als sie das neue Kreuz errichten ließen - den Korpus ins Herdfeuer warfen, wo er aber nicht brennen wollte. Als seine Ur-Oma dies sah, habe sie entrüstet gerufen: „Wu könn ji usen Hiärgott auk in`t Füer smieten!“ Woraufhin sie den Korpus wieder aus dem Feuer genommen und ihn unter dem Fundament des neuen Steinkreuzes vergraben hätten.

Anlässlich der Umsetzung an den heutigen Standort wurde der Bildstock 1976, auch mit Hilfe landesseitiger Fördermittel, gründlich restauriert. Anschließend überarbeitete der Restaurator Thomas Lehmkuhl aus Burgsteinfurt auch das Steinkreuz und reinigte den Opferstock.

„Voskorts Kreuz und Lazarus (besser Rochus)“ stehen seit 1992 unter Denkmalschutz.

Voskorts Kreuz 2Voskorts Kreuz 3Voskorts Kreuz Standort

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