HV 2020

Projekte aktuell

Alle Berichte unserer aktuellen Projekte in cronologischer Reihenfolge.


 

Arbeitseinsatz in Bertlings Haar

 Schneise geschlagen

Bericht in der WN am 10.03.2005

Schneise geschlagen
Saerbeck. Der Heimatverein bleibt auch im Jahr seines 70. Geburtstags aktiv: Im vergangenen Jahr war es der Bau von einem Dutzend Bänken, die inclusive sechs Tischen von einem Arbeitskreis in Eigenleistung gefertigt und in Außenbereichen des Gemeindegebiets aufgestellt wurden. Das Jahr des 70jährigen Bestehens hat nun mit einer Aktion begonnen, die inzwischen Anerkennung in der Bevölkerung gefunden hat: die Renaturierung des letzten Heidegebietes in Saerbeck, des Naturschutzgebietes Bertlings Haar.

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Warum verschwand die Heide?

06 Bild1 IMG 3370 Bertlings Haar Sep 2017 korr HeimatvereinIm Zuge der “Bauernbefreiung“ aus der Leibeigenschaft durch die Preußischen Agrarreformen (1810 – 1848) wurde die Allmende „Saerbecker Mark“ im Jahre 1849 vermessen und im sogenannten Urkataster aufgezeichnet. Jeder Berechtigte bekam ein Stück zugeteilt. Zudem konnten weitere Flächen zugekauft werden, deren Flurbezeichnungen heute noch oft deutlichen Bezug zur Heide nehmen: Haar, Heidhorst, Sandhegge, lütke Heide, up de Kortenheide usw.. Die neuen Eigentümer begannen nun die ehem. Flächen der Allgemeinheit zu bewirtschaften. Durch Drainage, Düngung, Aussaat oder Aufforstung verschwand die Heide nach und nach.

Im letzten Viertel des 19. Jh. wurde die Saerbecker Mark sogar industriell seitens der Georgs-Marienhütte aus der Nähe von Osnabrück genutzt. Durch Eisenbakterien im Untergrund nasser Wiesen und Niederungsmooren entstand Raseneisenerz (Braunerz oder Grein) mit einem Eisengehalt von 6-8 %. Größere Klumpen und zusammenhängende Lager dieses Rohstoffs wurden ausgegraben, im Mühlenbach gewaschen, gereinigt und mittels Loren und Pferdewagen zur Eisenhütte transportiert. Da der Saerbecker Bestand an Braunerz sich im Laufe der Jahre erschöpft hatte und die Bauern sich zudem massiv beschwerten, wurde diese industrielle Nutzung zu Beginn des 20. Jahrhunderts aufgegeben.

06 Bild2 Behaarter Ginster und Bauernsenf Quelle Infotafel06 Bild3 Tümpel in Bertlings Haar von Herbert Neise06 Bild4 Biene Quelle Infotafel

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Fauna und Flora in Bertlings Haar

Die hier anzutreffende Besen- und Glockenheide steht ebenso wie viele heimische Pflanzenarten – Kleiner Vogelfuß, Hornflechte, Sparrige Binse, Englischer Ginster – auf der Roten Liste.

05 Bild1 Podsol Foto Josef Berkemeier HeimatvereinNicht hierher gehören Pionierbäume wie junge Birken (sogenannte Kussel), Kiefern, Zitterpappeln und Eichen. Sie sind teils tief verwurzelt und würden die Besen- und Glockenheide bei ungestörter Entwicklung im Laufe der Zeit verdrängen, ebenso die rankenden Brombeeren, wenn nicht regelmäßige Heidepflege erfolgt. Der Heimatverein Saerbeck tritt hier in Aktion, unterstützt von der Landjugend und Mitarbeiter*innen der Biologischen Station Steinfurt. Dazu gehört neben dem Entkusseln auch das sogenannte „Beimpfen“ der Böden. Um neue Heide zu pflanzen werden Fruchtstände vorhandener Pflanzen abgezogen und auf freien Flächen verteilt. Zudem wird alte Heidefläche im Abstand von einigen Jahre komplett abgeschoben. Das entfernt eine entstandene dünne Humusschicht. Auf dem nun frei liegenden Sandboden wächst neue Besenheide nach.

Quelle: Herbert Neise

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Verheerende Folgen für den Boden!

Die gerbstoffhaltige Streu der großflächig auftretenden Heide verwitterte nur langsam und bewirkte eine weitere Versauerung des bereits an Basen armen und mäßig sauren Sandbodens. Durch das feuchtgemäßigte Klima unserer Breiten gefördert, entwickelte sich in den Jahrhunderten auf den verödeten Flächen so der Bodentyp des Podsols aus. Die Bezeichnung Podsol stammt aus dem Russischen und bedeutet frei übersetzt „Ascheboden“ und bezieht sich damit auf den aschgrau gebleichten Bodenhorizont.

Podsol-Böden bilden sich aus quarzreichen Ausgangsgesteinen wie Sandstein, Granit oder wie im Münsterland aus lockeren, ebenfalls quarzreichen Sanden der Eiszeiten, wie z. B. Dünensand. Der geringe Gehalt an verwitterbaren Mineralen führt einerseits zu einem Mangel an Tonmineralen und andererseits zu geringem Puffermögen gegenüber der Bodenversauerung. Aufgrund des niedrigen pH-Wertes kommt es zu einer abwärts gerichteten Verlagerung (Auswaschung) von Eisen- und Aluminiumhydroxid (als natürlicher Bestandteil des Bodens) sowie Huminstoffen (aus dem Streuabbau) mit dem Sickerwasser aus dem Ober- in den Unterboden. Dort werden, bei etwas höheren pH-Werten, die Eisen-, Aluminium- bzw. Humusverbindungen wieder ausgefällt bzw. fixiert. Es entsteht ein ausgeblichener, stark verarmter Oberbodenhorizont und ein mit Eisenverbindungen und/oder Humus stark angereicherter Unterbodenhorizont. Die Entwicklung dauert bis zu 1000 Jahre. Der grobporige (wasserdurchlässige) und nährstoffarme Podsol (wenig Humus im Mineralboden) weist aufgrund des niedrigen pH-Wertes ein geringes Bodenleben auf. Dies führt in natürlichem Zustand unter Wald zu einer schwer abbaubaren, mächtigen Rohhumusauflage, die aufgrund ihrer geringen Mineralisierung nur in geringen Mengen pflanzenverfügbare Nährstoffe liefert. Die wasserstauende Ortsteinschicht behindert das Wurzelwachstum. Durch Kalkung und intensive Humuswirtschaft mit Grün- und Stalldüngung kann die Fruchtbarkeit des leicht zu bearbeitenden Podsols deutlich verbessert werden.

(Quelle: Wikipedia)

04 Bild1 Foto Bertling Haar 1953

04 Bild2 Bertlings Haar 2019 2020

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Plaggen als Wirtschaftsfaktor

03 Bild1 Urkaster von 1829Durch die über Jahrhunderte hohe Nachfrage nach Plaggenmaterial musste die Entnahme schon früh geregelt werden. Der wahrscheinlich älteste urkundliche Nachweis der Entnahme von Plaggen im Münsterland ist von 1316 datiert. Aus dem Raum Lienen liegen Aufzeichnungen vor, die bis in das Jahr 1598 zurückreichen und von dem Erwerb des Rechts zum Plaggenhieb gegen Bezahlung berichten. Dem entgegen wurde das unrechtmäßige Plaggenstechen um 1616 mit empfindlichen Geldbußen bestraft.

(Quelle: Flyer Bodenlernstandort Kattenvenne, Kreis Steinfurt) Weiner Esch Ausgebeutete Markenfläche Weiner Mark bereits unter Ackernutzung)

03 Bild2 Bevökerungswachstum DeutschlandNach dem Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) erholte sich die Einwohnerzahl in Saerbeck allmählich wieder. Durch die zunehmende Bevölkerung, den Anstieg der Herdengrößen und deren Weiderechte (Stoppel- und Brachweide), dem Flurzwang (= der Lehnsherr gibt den Ort und die Art und Weise der Bewirtschaftung der Äcker vor) und die Aufsplittung der Feldflure durch Vererbung, wurden gegen den Widerstand der landlosen Markennutzer stetig neue Felder durch Rodung oder Urbarmachung der getreidefähigen Böden der Marken als sogenannte Ackerkämpe in Nutzung genommen. Hierdurch wurden die Marken immer weiter ausgedehnt und erreichten bald die Grenzen der Dorfgemeinschaft. Da die Marken oft von verschiedenen Dorfgemeinschaften genutzt wurden, kam es immer wieder zu Streitigkeiten in Bezug auf Grenzverläufe, Weide-, Hude- (Holzgewinnung), und Plaggenrechte unter den jeweiligen Dörfern, aber auch unter den Bauern einzelner Gemeinschaften selbst. Zwischenfälle an der Grenze zwischen Brochterbeck und Saerbeck sind aktenkundig. Dies zeigt, wie schmal die Lebensgrundlage der Bauern war, die zudem stets durch Dürren, Unwetter und Überschwemmungen bedroht wurde.

Quelle: Frank Witte, Kreis Steinfurt, Umwelt- und Planungsamt

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