HV 2020

HAN 002 023 „Wegemale“ sind seit dem 13. Jahrhundert in ganz Deutschland nachweisbar. Im Münsterland und insbesondere auch in Saerbeck prägen sie, in ihren typischen Ausformungen als Bildstöcke und Wegekreuze, vom 17. Jahrhundert an zunehmend das Landschaftsbild. Sie gelten heute als religiöse Kleindenkmäler und wurden häufig - gerade auch in Saerbeck ab den 1990iger Jahren - unter Denkmalschutz gestellt.

Nachdem sie ursprünglich vor allem an Wegen und Wegekreuzungen errichtet wurden, sahen sich die privaten Stifter bzw. Eigentümer durch Maßnahmen des Straßenbaus und der Flurbereinigung zunehmend veranlasst, ihre Wegemale näher an ihre Hofstelle oder ihr Anwesen zu versetzen. Aus steinernen oder hölzernen Wegekreuzen, zumeist mit Korpus Christi, wurden so „Hofkreuze“. Selbst heute nur noch selten vorkommende, in der Regel aus einem Stein gehauene Wegekreuze ohne Korpus, auch als „Sühnekreuze“ bezeichnet, wurden teilweise aus der Flur an die Hofstelle umgesetzt.

Ähnliches passierte mit einigen Bildstöcken, allerdings weniger mit den baulich aufwändigen, in Saerbeck verbreiteten „Kapellen-Bildstöcken“ in neugotischer Tradition, den sogen. „Hofkapellen“, teilweise auch „Heiligenhäuschen“ genannt, sondern eher mit den leichter auf- und abbaubaren, der Barockzeit entstammenden “figuralen Bildstöcken“ mit Freiplastiken oder reliefartigen Heiligenbildern. Sie wurden in einigen Fällen von exponierten Standorten an Straßen und Wegen direkt an die Hofzufahrt oder auf das Hofgelände zurückgezogen. Vorzugsweises Baumaterial gerade auch für die Saerbecker Bildstöcke und Steinkreuze waren der jeweils gut zu bearbeitende Ibbenbürener oder auch der Baumberger Sandstein.

Errichtungsgrund für die Wegemale mit Kreuz oder religiösem Bild, oft auch mit (Gebets-) Inschrift auf dem Sockel, waren für die Stifterfamilien oft besondere persönliche Anlässe oder einschneidende Ereignisse, vor allem schwere Unglücksfälle. (Dazu gibt es in jüngerer Zeit Parallelen mit der zunehmenden Errichtung sogen. „Unfallkreuze“.)

Der Heimatverein Saerbeck hat, über 60 Jahre nach der letzten vollständigen Erhebung im Jahre 1959, beschlossen, in 2021 eine umfassende Bestandsausnahme der Saerbecker Bildstöcke und Wegekreuze durchzuführen und deren Ergebnisse der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Der hierzu eingerichteten Projektgruppe gehören an: Josef Berkemeyer, Franz Josef Engeler und Dieter Kleinpaß.

Sie konnten zugreifen auf das Archiv ihres Heimatvereins mit alten Fotos und fundierten Beschreibungen, hauptsächlich von Hermann Berg, sowie auf gesammelte Zeitungsausschnitte der WN und der MZ mit Bildberichten und Hintergrundinformationen, vor allem recherchiert und verfasst von Franz Lüttmann, einem langjährigen Mitglied des Heimatvereins Saerbeck. Ausgewertet wurden ferner die Denkmalliste der Gemeinde Saerbeck sowie aktuelle Gespräche mit etlichen Eigentümerfamilien, die vor Ort auch neue Fotos ermöglichten oder selbst Aufnahmen zur Verfügung stellten.

Als Ergebnis bleibt festzuhalten, dass von den 46 in 1959 gelisteten Bildstöcken und Kreuzen auf Saerbecker Gemeindegebiet noch 38 vorhanden sind. Sie sind überwiegend in einem guten Erhaltungszustand, was vor allem dem Engagement der heutigen Eigentümerfamilien, teilweise auch der landesseitigen Förderung aus Denkmalpflegemitteln zu verdanken ist. (Anmerkung: Bei dieser Zählweise wurde ein noch vorhandenes Exponat, Frommes Kreuz, schon vor Jahren aus der Liste genommen, weil es seit der Kommunalen Gebietsreform 1975 in Sinningen bereits auf Emsdettener Gebiet steht.)

Anstehende Restaurierungen wurden von den Eigentümern teilweise zum Anlass von Standortveränderungen, zur Erneuerung von Statuen bzw. von einem Korpus Christi oder zum vollständigen Ersetzen maroder Objekte an gleicher oder benachbarter Stelle genommen.

Der bedauernswerte Verlust von 7 Bildstöcken bzw. Wegekreuzen wurde teilweise kompensiert durch 4 seitdem neu errichtete Objekte, so dass sich auf dem Saerbecker Gemeindegebiet aktuell (Stand August 2021) 41 Objekte, davon 17 Wegekreuze und 24 Bildstöcke, befinden. Dabei wurde die Andachtsgruppe „Voskorts Kreuz und Lazarus“ den Bildstöcken zugeordnet.

Es ist abzusehen, dass im Laufe des Jahres 2021 noch mindestens ein Bildstock hinzukommen wird, so dass diese Tradition in Saerbeck lebendig gehalten wird.

Klicken Sie rechts auf die Bezeichnung des Bildstocks, um weitere Informationen zu erhalten.

 

Neues Licht auf alte Werke

Neusegnung des Hofkreuzes bei Familie Mersmann

Neusegnung des Hofkreuzes bei Familie Mersmann
Eigener Bericht

Manches kommt ganz unverhofft: Eigentlich sollte es nur ein Foto sein – daraus geworden ist eine Neusegnung des Hofkreuzes bei Familie Mersmann am Lengericher Damm.
Am Anfang stand vor einigen Wochen die Anfrage des Heimatvereins an die Familie Mersmann, ob das Hofkreuz der Familie in die Liste der Bildstöcke und Wegekreuze aufgenommen werden sollte, die der Heimatverein seit über 60 Jahren führt.
„Ja sicher“, stimmte Angela Mersmann gerne zu, für ein schönes Foto müsse das Hofkreuz aber zuvor gründlich restauriert werden. Ein Fall für Paul Wennemann, der schon vielen Bildstöcken und Wegekreuzen in Saerbeck zu einem neuen Anstrich verholfen hat. Er nahm den Auftrag an und schon wenige Tage später stand der Korpus des Bildstocks in Wennemanns Werkstatt und wurde runderneuert sowie bemalt. „Entstanden ist ein wahres Kunstwerk“, so das lobende Urteil der Familie und des Heimatvereins.
Vor Ort am Lengericher Damm wurden das Kreuz aus Holz und die Tafel im Sockel neu gestrichen.
Da das Wegekreuz so gründlich renoviert worden war, wünschte sich Familie Mersmann, den Bildstock erneut segnen zu lassen. Pfarrer Ramesh Chopparapu sagte direkt zu und bekam Unterstützung von Pater Gottfried Meier, der schon die erste Segnung vorgenommen hatte.
Eine kleine Gruppe von Gästen durften bei der Segensandacht am vergangenen Samstag zugegen sein. „Das Kreuz ist ein Symbol des Lebens“, sagte Pfarrer Ramesh in seiner Predigt. Josef Berkemeier vom Heimatverein berichtete anschließend aus der wechselvollen Geschichte des Hofkreuzes, die er mit Unterstützung des Heimatvereins Ostbevern sowie Familie Prenger Berninghoff nachzeichnen konnte.

Einsegnung2Nach aktueller Recherche ist der Korpus 100 bis 150 Jahre alt und stand ursprünglich in der Ostbeverner Bauerschaft Überwasser am Hof Große Westhues. Die Jesusfigur aus Metall hat mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Blitzschlag um 1910 unbeschadet überstanden und wurde nach dem Ersten Weltkries wieder aufgebaut.
1975 erwarb die Emsdettener Familie Prenger Berninghoff das Anwesen und somit auch das Wegekreuz. Um in der neuen Heimat Ostbevern Wurzeln zu schlagen, stellte die Familie an der Hofeinfahrt 1980 ein neues Hofkreuz auf.
Das alte, bereits morsche Wegekreuz wurde abgebrochen. Da der Korpus über die vielen Jahrzehnte Wind und Wetter gut überstanden hatte, wurde er Familie Große Westhues zurückgegeben, die aber keinen geeigneten Standort dafür fand. Über verwandtschaftliche Beziehungen kam der Korpus 1992 nach Saerbeck, wo er seither am Lengericher Damm auf dem Hof Mersmann als Hofkreuz steht und nun im neuen Glanz erstrahlt.
Der Dank für die Restaurierung ging an den Heimatverein und besonders an den Restaurator Paul Wennemann, der den Anwesenden gerne von den aufwendigen Arbeiten erzählte. Das ihm zugedachte Honorar geht als Spende an die Projekte von Pfarrer Ramesh. „Jetzt sehen wir den Bildstock mit ganz anderen Augen“, waren sich alle einig.
Für alle, die sich für die rund 40 Bildstöcke und Wegekreuze in Saerbeck interessieren, hat der Heimatverein auf seiner Internetseite eine Auflistung mit historischen und aktuellen Fotos sowie Beschreibungen hinterlegt. Natürlich wird auch das Hofkreuz Mersmann hier aufgenomm.
Foto Josef Berkemeier

weitere Informationen zu den Bildstöcken in Saerbeck finden Sie hier Pfeil

 


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