HV 2020

Voskorts Kreuz und Lazarus

Der Rochus-Bildstock wurde 1749 von den Eheleuten Arning (bis 1855 Eigentümerfamilie des Voskortschen Hofes), am Südhang des Nötle-Berges aufgestellt, und zwar am Abzweig ihrer Hofzufahrt vom alten Kirchweg. Mit der dazu parallelen Errichtung eines hölzernen Kreuzes und eines Opferstocks wurde eine Andachtsgruppe realisiert. Die Familie erhoffte sich damit wohl Schutz vor Tollwut, Pest und Cholera („Geschwüren“).

1923 ließ die spätere Eigentümerfamilie Voskort das inzwischen morsche Holzkreuz samt hölzernem Korpus durch ein vom Ibbenbürener Steinmetz Mühlenhoff aus Sandstein gefertigtes Steinkreuz, mit ebenfalls steinernem Korpus, ersetzen. Nachdem die alte Hofzufahrt von der Westladbergener Straße im Zuge der Flurbereinigung aufgehoben wurde, befindet sich die Andachtsgruppe seit 1976 rechts von der Hofeinfahrt.

Der Bildstock steht auf einem kleinen Rechtecksockel mit der Inschrift „GEBET DEN ARMEN AUS FRÖHLICHEN HERZEN SO WIRD GOT DEINICHT VERGESSEN: Anno 1749“. Darüber befindet sich ein Relief mit der Darstellung des Hl. Rochus in Pilgertracht mit Hut und Stab und einer Pestwunde am Oberschenkel. Ein Hund steht an seiner Seite. Dieser Hund dürfte die Ursache dafür gewesen sein, dass die Saerbecker den Rochus lange Jahre nicht als solchen erkannten und mit dem armen Lazarus (auf Bildern meistens auch mit Geschwür leckendem Hund dargestellt) verwechselten. Daher der sich bis heute für den Bildstock haltende Name „(Alter) Lazarus“.

Der in der Mitte der Andachtsgruppe stehende Opferstock aus Sandstein enthielt früher oft Spenden Genesener oder wundersam Geheilter. Für das Geld las der Pastor dann Messen.

Um die Andachtsgruppe, insbesondere um den alten hölzernen „Herrgott“ ranken sich einige seltsame Geschichten: 1813, als im Zuge der Befreiungskriege gegen Napoleon eine Horde Kosaken durch Westladbergen preschte, soll einer von ihnen mit seinem Säbel einen Arm des hölzernen Korpus abgeschlagen und auch den Mittelbalken beschädigt haben. Kurz darauf sei dieser Kosake, so erzählt man sich bis heute, vom Pferd gefallen und habe sich dabei den Arm an eben jener Stelle gebrochen, wo er den Korpus getroffen hatte.

Auch der Verbleib des alten Kreuzes erscheint mysteriös. Alfred Voskort weiß noch, dass seine Großeltern - als sie das neue Kreuz errichten ließen - den Korpus ins Herdfeuer warfen, wo er aber nicht brennen wollte. Als seine Ur-Oma dies sah, habe sie entrüstet gerufen: „Wu könn ji usen Hiärgott auk in`t Füer smieten!“ Woraufhin sie den Korpus wieder aus dem Feuer genommen und ihn unter dem Fundament des neuen Steinkreuzes vergraben hätten.

Anlässlich der Umsetzung an den heutigen Standort wurde der Bildstock 1976, auch mit Hilfe landesseitiger Fördermittel, gründlich restauriert. Anschließend überarbeitete der Restaurator Thomas Lehmkuhl aus Burgsteinfurt auch das Steinkreuz und reinigte den Opferstock.

„Voskorts Kreuz und Lazarus (besser Rochus)“ stehen seit 1992 unter Denkmalschutz.

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