HV 2020

Die Geschichte der Saerbecker Wallfahrt nach Telgte
Heimatverein hofft auf Anekdoten und Fotos

Saerbeck -Der Heimatverein Saerbeck hat die Geschichte der Saerbecker Wallfahrten nach Telgte aufbereitet und hofft, dass die Dorfbewohner weitere Erinnerungen und Fotos beisteuern.

Bericht in der WN am 13.05.2020

1963 zogen rund 300 Saerbecker Wallfahrer zum Bahnhof Reckenfeld, um von dort aus nach Telgte zu fahren. Foto: WN-Archiv
1963 zogen rund 300 Saerbecker Wallfahrer zum Bahnhof Reckenfeld, um von dort aus nach Telgte zu fahren. Foto: WN-Archiv
Aus Akten und Ordnern des Heimatvereins haben aktive Vereinsmitglieder Informationen über die Geschichte der Saerbecker Wallfahrt nach Telgte zusammengetragen. Herausgekommen ist ein mehrseitiges Dokument, das auch als Aufforderung verstanden werden soll, in eigenen Erinnerungen nach Anekdoten zu forschen. Und über Fotos aus dem Familienbestand würde sich der Heimatverein ebenso freuen. Kontakt: Josef Berkemeier,  98 35 00. Den jeweils aktuellen Stand des Projektes finden Interessierte auf der Homepage des Heimatvereins (www.heimatverein-saerbeck.de).
In der Heimatvereinsschrift wird berichtet, dass sich schon kurz nach der ersten Wallfahrt nach Telgte (1651) auch andere Orte beteiligten. „So sind Wallfahrten aus Greven seit 1655 belegt. Die Pilger aus Altenrheine, deren Wallfahrtsroute durch Saerbeck führt, machen seit 1676 hier in unserem Dorf regelmäßig Rast“, heißt es. Und weiter: „Neben der Gnadenkapelle befindet sich die Clemenskirche, deren 60 m hoher Turm schon von weitem zu sehen ist. Die neugotischen Fenster des Gotteshauses sind besonders interessant, da in vielen Fenstern die Orte abgebildet sind, aus denen die Pilger jedes Jahr den Weg nach Telgte finden. Ob auch Saerbeck hier verewigt ist? Tatsächlich, auch ein Fensterbild von St. Georg ist zu finden (letztes Fenster hinten links in der Clemenskirche zu Telgte). Das Fensterbild gibt Zeugnis von einer langen Geschichte der Saerbecker Wallfahrt nach Telgte. Das schön gestaltete Bleiglas verrät jedoch nichts über die wechselvolle Geschichte der Saerbecker Wallfahrt.
Seit wann die Wallfahrt besteht, ist noch nicht durch den Heimatverein erforscht. In alten Visitationsprotokollen des 17. und 18. Jahrhunderts finden sich jedoch Hinweise auf Urteile von Sendgerichten in Saerbeck, bei denen die Verurteilten als Strafe zur Teilnahme an einer Wallfahrt nach Telgte verpflichtet wurden.“
Rätselhaft bleibt, so der Heimatverein, warum die Saerbecker Wallfahrt nach 1754 für 170 Jahre zum Erliegen kam. Sicher ist, dass die Wallfahrten nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wieder stattfanden. Der Heimatverein hat dazu einige Berichte von Menschen zusammengetragen, die sich heute zurückerinnern oder die ihre Erlebnisse vor vielen Jahren niedergeschrieben haben, so etwa Else Brocks 1956 in einem Schulaufsatz. Sie schrieb unter anderem: „Am zweiten Sonntag im Juli ist die Wallfahrt zur schmerzhaften Gottesmutter in Telgte. Die Pilger besuchen am Morgen zunächst die heilige Messe (5 Uhr). Dabei ist es üblich, dass man die Kommunion nüchtern empfängt. Das bedeutet, dass die Gläubigen bewusst in die Kirche gehen, ohne vorher gefrühstückt zu haben. Am Schluss des Gottesdienstes wird der Wallfahrtssegen erteilt. Anschließend wird den Pilgern eine Tasse Kaffee bei Beckers Hedwig, Dyckhoffs und bei Winter angeboten. Dazu essen die Wallfahrer ihre selbst mitgebrachten Stullen.“
Maria Albers kann sich auch heute noch gut an die Wallfahrten nach Telgte in ihrer Jugendzeit erinnern: „An der reinen Fußwallfahrt habe ich nicht teilgenommen. Dafür war ich damals noch zu jung. Die Erwachsenen hätten uns Kinder auch gar nicht mitgenommen. Dagegen kann ich mich an die Wallfahrten, in denen wir zum Bahnhof Greven gingen, um dann mit der Eisenbahn nach Telgte zu pilgern, noch gut erinnern. Die Teilnehmerzahl konnte sich sehen lassen. Jede Familie im Dorf war darauf bedacht, dass mindestens ein Familienmitglied an der Wallfahrt nach Telgte teilnahm.“ Alfred Maimann, mittlerweile wie Maria Albers 85 Jahre alt, weiß noch von einer Anekdote zu berichten: „Auf dem Weg durch Greven passierten wir Wallfahrer auch immer die Bergstraße, die in den Niederort führt. Und immer, wenn wir die Bergstraße heruntergingen, sangen wir mit Inbrunst das Lied: „O Maria hilf in diesem Jammertal.“ Damals arbeitete ich noch bei Schründer-Cramer. Mein damaliger Arbeitskollege wohnte an der Bergstraße und ärgerte sich jedes Mal sehr über uns. Montags drauf machte er seinem Ärger wieder Luft, indem er mich darauf ansprach und sein Unverständnis bekundete.“ Diese hier in Auszügen wiedergegeben Erlebnisberichte sind im Dokument des Heimatvereins noch ausführlicher dargestellt, die Schrift kann in digitaler Form von der HV-Homepage heruntergeladen werden.
Ab 1961 gingen die Wallfahrer zu Fuß über Hembergen zum Bahnhof Reckenfeld und fuhren von dort aus mit der Eisenbahn nach Telgte.
In den 80er Jahren veränderte sich abermals die Form der Wallfahrt. Die Pilger trafen sich am Sonntagmorgen um 1 Uhr an der Kirche, um dann zu Fuß über Schmedehausen und Vadrup nach Telgte zu pilgern. Der Rückweg am Nachmittag erfolgte mit dem Reisebus. Alternativ wurden die Radwallfahrt und Mitfahrgelegenheiten in Autos angeboten. In den 90er Jahren kam die Wallfahrt zum Erliegen.
Um die Attraktivität der Wallfahrt nach Telgte neu zu beleben, wurde vor etlichen Jahren ein beliebtes Format wieder aufgegriffen: Die jährliche Radwallfahrt nach Telgte, zu der sich im Durchschnitt 30 Pilger auf den Weg machen, hat sich seitdem etabliert. Ob die Saerbecker Radwallfahrt nach Telgte in diesem Jahr stattfinden kann, ist noch nicht entschieden.
zusätzliche Informationen finden Sie unter Projekte /Wallfahrten

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