Die Restauration

Pressebericht der WN von Sa.,den 7.10.2017

Restaurator Johannes Holtmann legt den alten Glanz des Saerbecker Ur-Gemäldes wieder frei. Die Patina deckt manches Rätsel zu

Bei Herrn Holtmann Foto Hans Lüttmann

Johannes Holtmann ist ein gefragter Könner seines Fachs, den das Königshaus schon mal nach Stockholm ruft, dem man bedenkenlosmillionenschwere Kunstwerke anvertraut oder, wie jetzt, die älteste Saerbecker Dorfansicht. ---Von Hans Lüttmann

 Saerbeck -

Weißbrot? Zwiebeln? Rohe Kartoffeln? Warum dann nicht gleich zu „Ata“ greifen oder Meister Proper rufen? Um Himmels willen – nein! Aber wer in Heimwerkermagazinen blättert oder Google fragt, wie man alte Gemälde selber reinigt und restauriert, der kriegt so krude Tricks empfohlen und obendrein den Hinweis, dass eine Kartoffel-, Weißbrot- oder Zwiebelreinigung meist schon ausreicht, um das Ölbild wieder zu beleben.

Nur gut, dass im Heimatverein niemand vorgeschlagen hat, dem Saerbecker Ur-Gemälde so eine Murkserei anzutun. Da war der Gang zum Profi-Restaurator die absolut richtige Wahl, auch wenn der erheblich teurer ist als abwegige Lebensmittelkuren.

In seiner Werkstatt in Münster erklärt er Jürgen Zepp und Josef Berkemeier vom Heimatverein zunächst die Schäden des Bildes, zeigt Verfärbungen, Wölbungen, Craquelés und Spuren stümperhafter Reinigungsversuche. Und erstaunt die Besucher: darüber, dass er nicht Öl-, sondern Wasserfarbe und Kreide zum Ausbessern nimmt, dass bei Rissen in der Leinwand die Fäden unterm Mikroskop zusammengeklebt werden mit Fischleim aus der Blase des Beluga-Störs, und dass er nichts hinzufügt, das sich nicht belegen lässt: „Selbst wenn Sie ein Foto aus der Zeit hätten, würde ich es nicht machen.“

Noch viel überraschender sind die Rätsel unter der Patina, die Johannes Holtmann behutsam entfernt. Und da staunt sogar Josef Berkemeier, der das Bild schon wer weiß wie oft angesehen hat: Wieso steht mitten im Bild der Schustermeister Terre, der links einen Stiefel und rechts eine Pfeife in der Hand hält? Was stand auf dem Giebel des kleinen Gebäudes links? Was wurde auf dem Haus rechts mit einem dicken schwarzen Balken übermalt? Was hat es mit den großen Sandsteinen mitten im Dorf auf sich?

Lauter Fragen, die dazu auffordern, sich das Bild nach erfolgter Restauration noch einmal genauer anzusehen. 70 bis 80 Arbeitsstunden wird der Restaurator brauchen, und der Heimatverein überlegt schon jetzt, wie das Bild anschließend präsentiert wird. „Es kriegt natürlich wieder seinen angestammten Platz im Heimathaus“, sagt Jürgen Zepp, „aber wir sollten ein Erklärschild daneben heften, vielleicht mit einem QR-Code, der auf ausführlichere Informationen verweist.“ Diese Bildergeschichte bleibt spannend – und hat mehr als tausend Worte.

 

Pressebericht der WN von Mo., 18.09.2017

Ein Bild und seine 135-jährige Geschichte: Saerbecker Ur-Gemälde wird restauriert Endlich in guten Händen

Bei Herrn Holtmann
Restaurator Johannes Holtmann, Harald Schütz, Jürgen Zepp, Martin Wenners (alle drei für den Heimatverein) und André Dolle (von links) mit dem 135 Jahre alten Gemälde, das nun restauriert wird. Foto: Heimatverein

Saerbeck - 

135 Jahre – die sieht man dem ältesten bekannten Ölgemälde einer Saerbecker Ortsansicht mittlerweile auf der rissig gewordenen Leinwand auch als Laie an. Aber die Fachfrau sieht noch wesentlich mehr: Vor gut zwei Jahren hat Diplomrestauratorin Helena Dick vom Denkmalamt des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe sich das Unikat Saerbecker Zeitgeschichte untersucht und auf den vergilbten Firnis, typische Altersbrüche, übermalte Kratzer und Spuren eines früheren Restaurierungsversuchs hingewiesen. Sie empfahl dringend, das Gemälde fachmännisch aufarbeiten zu lassen.

Von Hans Lüttmann
 

Mag sein, dass es hohen künstlerischen Ansprüchen nicht genügt, für Saerbecks Dorfgeschichte ist es aber ein einzigartiges Dokument.

Das 1882 entstand, darauf lässt die Signatur des Bildes schließen, das der ansonsten kaum bekannte Maler Josef Wesselmann aus Laggenbeck auf das Gemälde schrieb, das der Heimatverein jetzt zum Restaurator Johannes Holtmann nach Münster gebracht hat.

135 Jahre – die sieht man dem ältesten bekannten Ölgemälde einer Saerbecker Ortsansicht mittlerweile auf der rissig gewordenen Leinwand auch als Laie an. Aber die Fachfrau sieht noch wesentlich mehr: Vor gut zwei Jahren hat Diplomrestauratorin Helena Dick vom Denkmalamt des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe das Unikat Saerbecker Zeitgeschichte untersucht und auf den vergilbten Firnis, typische Altersbrüche, übermalte Kratzer und Spuren eines früheren Restaurierungsversuchs hingewiesen. Sie empfahl dringend, das Gemälde fachmännisch aufarbeiten zu lassen.

„Helena Dick bestätigte nicht nur die kulturhistorische Bedeutung des Gemäldes, sondern auch die dringende Notwendigkeit einer fachmännischen Restauration, damit das einzigartige Zeugnis Saerbecker Geschichte auch künftigen Generationen erhalten bleibt“, schreibt der Heimatverein in einer Pressemitteilung und freut sich angesichts der nicht unerheblichen Kosten für eine entsprechende Überarbeitung des Bildes, dass André Dolle, Leiter der örtlichen Zweigstelle der Sparkasse, seine finanzielle Unterstützung zugesagt hat.

„Die Geschichte des Bildes ist so interessant wie sein kulturhistorischer Wert“, zitiert Harald Schütz seine Vorstandskollegen Martin Wenners und Jürgen Zepp, die das Gemälde persönlich zum Restaurator brachten.

„Bei dem Bild“, schreibt Harald Schütz weiter, handele es sich um ein Auftragsgemälde des Grevener Gastwirts Pröpsting an den Hobby- und Freizeitmaler Josef Wesselmann.

Im Jahr 1936, da war Wesselmann schon 80, erzählte er dem Saerbecker Heimatverein die Geschichte des Bildes: „Vor über 50 Jahren arbeitete ich in Münster an der Ausmahlung des Domes, als ich wegen Gerüstumbau 14 Tage feiern musste, besuchte ich meinen Freund den Malermeister und Gastwirt Pröbsting in Greven. In seinem Gasthause verkehrten die Saerbecker Schlachter, Eier und Butterhändler Fuhrleute und Bauern, die Ware nach Münster brachten. Fast alle Saerbecker die nach Münster mussten, kehrten bei Pröbsting ein und machten eine kurze Rast am Herdfeuer, wo der alte Großvater Pröbsting sie dann mit einem „Kümpken Knabbeln“ oder mit einem „Halven“ (Korn) bewirtete. Um die enge Verbundenheit mit den Saerbeckern zu unterstreichen und vor allem zur Kundenwerbung, wollte Pröbsting nun ein Bild von Saerbeck haben. Ich bin dann losgezogen und habe in den 14 Tagen das Bild gemalt.“

Dort blieb es viele Jahre, vermittelte den Saerbecker Gästen ein kleines Stück Heimatgefühl und kam dann nach Aufgabe der Gaststätte im Jahre 1957 nach Saerbeck.

„Das Besondere an dem Gemälde ist die historische Darstellung der Saerbecker Ortsmitte mit der Kirche,“ erklären Martin Wenners und Jürgen Zepp. Man sieht die ehemalige Gaststätte Unkel, das denkmalgeschützte Haus Dyckhoff und das Gebäude der Familie Hilbert mit der ehemaligen Gaststätte „Zur Post“. Der Kirchturm hat noch sein Satteldach, der Spitzturm wurde erst 1896 errichtet.

„Die Restaurationsarbeiten sollen innerhalb von zwei Monaten abgeschlossen sein, so dass das Gemälde noch vor Weihnachten wieder in altem Glanz an seinem angestammten Platz zu sehen sein wird“, schließt Harald Schütz seinen Bericht.